Hosenlupf in der Kirche -  Die spezielle Geschichte des Klubs

Es waren vor allem Bahnangstellte, die vor rund hundert Jahren an Urner Schwingfesten teilnahmen - zugezogene Lokführer, Kohlenschaufler und Eisenbahnbremser aus dem Mittelland. Und so verwundert es nicht, dass 1917 der Urner Kantonale Schwingerverband ausgerechnet im Eisenbahnerdorf Erstfeld gegründet wurde.

 

Der Urner Kantonale Schwingerverband organisierte in den folgenden Jahren Trainings in verschiedenen Urner Ortschaften. Auch in Flüelen wurde fleissig trainiert. Die Flüeler Schwinger waren grossmehrheitlich Mitglieder des Turnvereins Flüelen. Denn gerade auch die Urner Turnvereine, die vor allem Nationalturnen betrieben, förderten den Schwingsport im Kanton Uri. Der Turnverein Flüelen führte so etwa zwischen 1910 und 1920 einige Male auf dem Holzplatz beim Hirschen ein Kilbischwinget durch.

 

Im Jahr 1920 entstanden aus den Trainingsgruppen des Kantonalverbandes dann eigenständige Vereine - so etwa Erstfeld, Schattdorf, Altdorf und Göschenen-Airolo. Am 20. März 1920 sassen auch sechs junge Herren im Hotel Linde in Flüelen zusammen und beschlossen ebenfalls einen Schwingklub in Flüelen zu gründen.

 

Hans Ziegler sorgte 1937 für Höhepunkt in der Vereinsgeschichte

Bereits ein Jahr nach der Gründung führte der Schwingklub Flüelen den ersten Grossanlass durch: Das Urner Kantonale Schwingfest. In den ersten Jahrzehnten waren die Trainingsbedingungen der Flüeler bestimmt nicht optimal: Die Flüeler Schwinger hatten im Chor der alten Kirche einen Sägemehlring errichtet. Denn die Kirche war bis in die Siebzigerjahre die Gemeindeturnhalle, bevor sie dann wieder umfassend saniert wurde. Doch in der Kirche war es kalt und ein WC gab es nicht. Die Kirche diente aber bis in die Siebzigerjahre als Trainingsort.

 

Trotzdem stellten sich schon bald die ersten Erfolge ein. Bereits zwei Jahre nach der Gründung des Schwingklubs gewann ein Flüeler, Franz Poletti, das Urner Kantonale. Und 1937 gewann Hans Ziegler in Lausanne den bisher einzigen eidgenössischen Kranz für den Schwingklub Flüelen (siehe Bild).

 

Klub hatte Seelisberger Filiale

Anfang der Sechzigerjahre hatte der Verein sogar eine Untersektion auf dem Seelisberg. Einige Flüeler konnten auch Kranzschwingfeste gewinnen - so etwa Josef Schilter, der spätere Lindenwirt (1947), Franz Walker von der Matte (1968), sein Bruder Bernhard Walker (1984) sowie der Sisiger Pius Zwyer (1987 - siehe Bild) . Zwyer stand bei seinem Sieg am Ob- und Nidwaldner "Kantonalen" 1987 in Hergiswil sogar seinem Klubkameraden Bernhard Walker gegenüber.

 

Ende der Neunzigerjahren begann eine lange Durststrecke für den Schwingklub Flüelen. Der Verein hatte kaum mehr Aktivschwinger. Deshalb investierte der Klub viel in die Nachwuchsförderung. Seit 2009 gewinnen die Flüeler aber wieder regelmässig Kränze.

 

Klub fehlt Traininghalle

Seit Anfang der Siebzigerjahren trainierten die Flüeler Schwinger im Athletikraum des Schulhaus Gehren auf Ringermatten. Regelmässig können die Flüeler aber auch bei anderen Vereinen im Sägemehl trainieren. Seit 2010 hat der Schwingklub eine so genannte Open-Air-Anlage auf dem Sportplatz auf der Allmend. So können die Flüeler immerhin im Sommer draussen im Sägemehl trainieren. Eine Trainingshalle fehlt nach wie vor.

 

Der Urner Kantonale Schwinververband mit Mitwirkung des SK Flüelen führte 1991 in Flüelen ein Schwingfest mit eidgenössischem Charakter durch - das Bundesfeierschwingfest zum 700-jährigen Bestehen der Eidgenossenschaft. Seit der Gründung führte der Schwingklub Flüelen auch drei Mal das Innerschweizerische Schwing- und Älplerfest durch (1937, 1961, 1985). Zudem ist der Klub 2019 wieder an der Reihe.

Der Schwingklub Flüelen stellte als kleiner Klub immer wieder auch wichtige Verbandsfunktionäre. So wurde Herbert Mathys 2002 etwa zum Ehrenmitglied des Eidgenössischen Schwingerverbands ernannt. Und seit 2014 präsididert Peter Achermann zudem den Innerschweizer Schwingerverband und sitzt zeitgleich im ESV-Zentralvorstand.

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